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Dresden

Die Opferzahlen britischer und US-amerikanischer Luftangriffe auf die Stadt Dresden am 13. Februar 1945

"Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!"

(Winston Churchill)

Dresden

Zusammenstellung

Eine interessante und um Objektivität bemühte Seite

Analyse Karin Zimmermann

 

"Die Zahl der Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden vom 13. und 14. Februar 1945 muss offenbar deutlich korrigiert werden", heißt es lapidar in ein Pressemitteilungen, die Anfang Oktober 2008 die Öffentlichkeit beschäftigen. Bislang sprach die Dresdener Stadtverwaltung von 35.000 Toten, eine Historikerkommission kam nun aber zu dem Ergebnis, dass höchsten 25.000 Menschen bei den Luftangriffen umkamen.
Der vorgebliche Zweck der Kommission war offensichtlich, den "Missbrauch der Toten zu verhindern". Der
Meldung des Mitteldeutschen Rundfunks zufolge wurde die Historikerkommission eingesetzt, "weil Rechtsextreme ab 2005 verstärkt versucht hatten, die Trauer um die Toten für ihre Zwecke zu mißbrauchen", die NPD habe behauptet, es habe in Dresden 1945 eine halbe Million Tote gegeben, und seit Februar 2005 veranstalte die "Junge Landsmannschaft Ostdeutschland" am Jahrestag der Bombardierungen regelmäßig "Gedenkmärsche".
Das - und nicht die längst überfällige historische Aufarbeitung dieses Themas - waren ganz offensichtlich die politisch geprägten Motive.
Vermutlich wird das "Ergebnis" einen Schuß nach hinten geben, denn insbesondere in Sachsen wird man derartiges im Volke weniger gerne als der Wahrheit letzter Schluß akzeptieren. Zu Recht:
Mit dem Autor des Buches "Der Brand", Jörg Friedrich* kann man einig gehen, daß es bei weitem keine 6-stellige Totenzahlen gegeben haben kann, aber das Ergebnis dieser Kommission entlarvt sich durch eine Falschaussage, daß "keine Belege für einen 'systematischen Beschuß' der Dresdner Bevölkerung mit Bordwaffen englischer oder amerikanischer Jagdflugzeuge gefunden wurden" und "einzelne Todesfälle durch 'fehlgeschlagene Feuerstöße' werden hingegen nicht ausgeschlossen" sind deshalb als keinesfalls akzeptabel, denn dieses Delikt gab es nicht nur in Dresden.
Häufig hatte darunter insbesondere die Landbevölkerung auf den Feldern zu leiden. Und daß die Jagdflieger ihre offen bar häufig vergnügliche Menschenjagd ihren Dienststellen nicht offiziell gemeldet haben, ergibt sich schon daraus, daß Bücher über solche dem Kriegsrecht entgegenstehende Vorfälle höchstens bei den Gegnern geführt wurden.
Friedrich hatte die Zahl aufgrund seiner eigenen Recherchen und Vergleiche auf maximal 50.000 geschätzt.
Die Krux an der ganzen Geschichte ist: Es gibt keine neutralen Quellen. Die einen hievten die Zahlen propagandistisch auf, die anderen stapelten sie herunter.
Daher gibt es lediglich Plausibilitätsannahmen. Weder die Goebbels-Propaganda - häufig Grundlage für die Ewiggestrigen - noch die "offiziellen" Zahlen - am allerwenigsten die jetzt vorgelegten - sind plausibel, sind aber jeweils geeignet, Haß und Unfrieden zu säen, wo nüchterne Aufarbeitung angesagt wäre.
Die von Friedrich geschätzten +/- 50.000 sind insoweit relativ plausibel, als man auch nach 10 Angriffen Tote nicht noch einmal töten kann. Relativ deshalb, weil es auch "nur" die bisher angenommenen 35.000, aber auch das Doppelte bis Dreifache sein kann. Alles andere entspringt der Phantasie, die je nach Sicht der Dinge so hingebogen wird, wie man es für seine jeweiligen Zwecke gerne hätte. Daß es nur 18.000 gewesen sein sollen, ist jedenfalls völlig unglaubhaft, insbesondere wenn man es mit 20.000 Toten in Pforzheim vergleicht.Selbst Heilbronn hatte fast 7.000 Tote.  In Pforzheim wurden 1.575 Tonnen Bomben abgeladen, in Heilbronn 1.200 Tonnen und in Dresden allein in den ersten drei Angriffen dieser Schreckenstage 3.200 Tonnen.
Die Zahl 18.000 widerspricht aber dem normalen Menschenverstand und ist daher eine Verhöhnung der Opfer, die deshalb deutlichst hinterfragt gehört.
Sowohl die massive Übertreibung ist abzulehnen wie die Verhöhnung der Opfer durch Herunterrechnen. In beide Fällen ist es ein Mißbrauchen dieses schrecklichen Ereignisses - das ein Kriegsverbrechen darstellt - für kalkulierte Zwecke.
Wenn man aber Kriegsverbrechen mit falschen Angaben untermauern will, so verlieren die Argumente an Glaubwürdigkeit. Beides ist der Sinn derartiger Behauptungen im Wissen, daß sie sofort beim jeweiligen Klientel auf fruchtbaren Boden fallen.
Nun stützt sich die eine Seite auf die Erklärung des ehemaligen 1. Generalstabsoffiziers des Verteidigungsbereichs Dresden, des späteren Oberstleutnants der Bundeswehr, Eberhard Matthes, der damals die Verlustzahlen zusammenzustellen hatte. Danach waren 35.000 Leichen „voll identifiziert“, 50.000 „teilidentifiziert an Hand von Eheringen usw.“. Außerdem meinte er, es habe „168.000 Opfer“ gegeben, „an denen es nichts mehr zu identifizieren gab“.
Bemerkenswert: An anderer Stelle ist von „186.000 Opfer“ die Rede, „an denen es nichts mehr zu identifizieren gab“.
Hier kommt dann genau der Effekt zum Tragen, nämlich daß am "glaubwürdigsten" der ist, dessen Angaben einem am meisten gefallen.
So geht es aber nicht.
Dafür spricht der wohl authentischste Bericht, den es vor Ort gegeben hat: Im Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vom Februar 1945 werden für den internen Gebrauch nämlich „circa 60.000 Tote“ genannt.
Das sollte man bei der Diskussion nicht einfach großzügig übersehen, denn hier sprechen die "amtlichen" Gepflogenheiten eine klare Sprache. Den "internen Gebrauch" bezeichnen nämlich die Fakten für das Hintergrundwissen, das gegenüber der Öffentlichkeit zurückgehalten werden soll. Und die Wehrmacht war für derartige Angaben ein bis heute unbestrittener integerer Faktor.
Tatsächlich nutzte die Goebbels-Propaganda das Massaker in übertriebener Weise für ihre Propaganda-Zwecke unter Ausnutzung des schrecklichen Geschehens, von dem sich die Leute nur das allerschlimmste vorstellen konnten und es daher als glaubhaft akzeptiert wurde.
Abgesehen davon, daß die Matthes-Ungereimtheiten wohl auf einen Zahlendreher zurückzuführen ist, bleibt doch die Frage, wie diese Zahlen zustande gekommen sind. Der Angriff war am 13. Februar und Mattes bringt seine Ergebnisse mitten im Durcheinander der allerletzten Kriegswirren am 29. April auf den Tisch. Und weiß dann ziemlich 'exakt', daß es 168.000 oder 186.000 Opfer gab, an denen es "nichts mehr zu identifizieren gab".
Die Frage ist nun aber: wie paßt dann die Aussage von "35.000 vollidentifizierten", d.h. man kennt die Namen der Opfer, mit den nun behaupteten weit weniger Opfer insgesamt zusammen?
Würden diese Matthes-Zahlen stimmen, so hätte es zwischen 253.000 und 271.000 Opfer gegeben. Damit kommt es aber den Goebbel'schen Propagandazahlen sehr nahe und es nährt den Verdacht, daß damit die gegen Ende des Krieges infolge der Befreiung von KZs bekannt gewordenen Nazi-Verbrechen relativiert werden sollten.
Diese Zahlen widersprechen zudem anderen glaubhafteren Angaben und insbesondere dem, was man heute im Vergleich zu anderen Städten weiß.
Schade, daß statt sachlicher Aufarbeitung nun wieder einmal der normale Menschenverstand nach dem Motto "es kann nicht sein, was nicht sein darf" auf beiden Seiten an der Garderobe hängen bleibt.

Ob 1000 oder 10.000 oder 100.000 Tote: Jeder ist einer zuviel!

 

Hier ein Versuch der Zusammenstellung der bekannten Zahlen:

Februar 1945 Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht für den internen Gebrauch circa 60.000
17. Februar 1945 Neue Zürcher Zeitung 50.000 bis 70.000
17. Februar 1945 Svenska Morgonbladet 100.000
März 1945 "Polizeiliche Schlussmeldung“ bis 10.3.1945

18.375 geborgen
geschätzte Gesamtzahl etwa 25.000

22. März 1945 Elbe, SS- und Polizeiführer im Tagesbefehl 47

20.204 geborgen
geschätzt 25.000

22. März 1945 Berliner Polizei, Lagebericht 1404

18.375 geborgen
geschätzte Gesamtzahl 25.000 bis 35.000

22. März 1945 Ordnungspolizei Dresden, zu Propagandazwecken gefälschter Tagesbefehl 47 des Polizeiführers Elbe

202.040

Oktober 1954 Hans Rumpf, Generalmajor der Feuerschutzpolizei a. D., Wehrwissenschaftliche Rundschau Nr. 10/53, 60.000
1955 Hans Loch, Stellvertretender Vorsitzender des DDR- Ministerrates 300.000
1960/61 Referat für Fremdenverkehr beim Rat der Stadt Dresden 35.000 identifiziert
1961 Hans Rumpf, Generalmajor der Feuerschutzpolizei a. D. 250.000
März 1962 Statistische Bundesamt, „Wirtschaft und Statistik“ Heft 3

35.000 identifiziert
25.000 nicht identifiziert

1962/63 Brockhaus-Enzyklopädie, 17. Auflage 60.000
1963 Erich Hampe, „Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg“

35.000 identifiziert
25.000 nicht identifiziert

1963/64 David Irving, „Und Deutschlands Städte starben nicht“, „Der Untergang Dresdens“ 40.000 identifiziert
insgesamt 135.000
1963/64 Hanns Voigt, Leiter der Abteilung Tote in der Dresdner Vermißtenzentrale 40.000 identifiziert
insgesamt 135.000
10. Dezember 1964 David Irving, Leserbrief an die Literaturbeilage der Welt, unter Bezug auf den ungekürzten Tagesbefehl 47 des Befehlshabers der Ordnungspolizei Dresden vom 22. März 1945 202.040
7. Juli 1966 David Irving, Leserbrief in der Londoner Times 25.000
2. Dezember 1974 Rolf Hochhuth, Schriftsteller, in einem Interview im Deutschen Fernsehen 202.000
1977 „Sowjetskaja Wojennaja Enzyklopädija“, Moskau 120.000
1977 Götz Bergander, Journalist, „Dresden im Luftkrieg“ erscheint (überarbeitete Neuauflage 1994) 35.000
1990  Eberhard Matthes, ehemaliger 1. Generalstabsoffiziers des Verteidigungsbereichs Dresden, später Oberstleutnant der Bundeswehr 35.000 voll identifiziert
50.000 teilidentifiziert
168.000 nicht identifiziert
1992 - 1994 Landeshauptstadt Dresden 250.000 bis 300.000
Dezember 1993 Dresdner Stadtarchiv, Akten des Bestattungs- und Marstallamtes

21.271 registriert
25.000 geschätzt

Januar 1995 Landeshauptstadt Dresden, offizielle Ausstellung über die Luftangriffe, Begleitbuch „Verbrannt bis zur Unkenntlichkeit“ etwa 25.000
Dezember 2004 Jörg Friedrich, Autor „Der Brand", im persönlichedn Gespräch mit dem Webmaster etwa 50.000
2005 Wolfgang Schaarschmidt, „Dresden 1945. Dokumentation der Opferzahlen“ widerlegt die Legende von 202.040 Opfern

100.000

Oktober 2008 Historikerkommission im Auftrag der Stadt Dresden 18.000 - 25.000

Eine interessante und um Objektivität bemühte Seite

Analyse Karin Zimmermann